2008 habe ich das Limes hier in Mülheim aufgemacht. Am ersten Abend waren polizeilichen Schätzungen nach 500 Menschen hier. Ein Start, der sicher schwer zu toppen sein wird. Anfangs war es für uns etwas schwierig, da gab es viele Gerüchte im Mülheimer Buschfunk. Einmal kamen zwei aus dem Altenheim von gegenüber rein und haben gefragt, ob es stimmt, dass das hier eine Schwulenkneipe ist. Die kamen da drauf wegen der Astra-Beleuchtung draußen mit dem Herz, die war damals noch nicht so verbreitet. Ein anderer kritischer Punkt war, dass wir einen relativ harten Film gefahren haben, eine harte Tür hatten. Wir sind ein antifaschistischer Laden, das heißt, wenn du dich hier an die Theke setzt und sagst „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber“ oder wenn du hier eine Frau blöd anmachst, dann fliegst du raus. Oder kassierst eine.
Das sind unsere Regeln, ansonsten sind wir nicht unbedingt partyfeindlich hier. Warum Mülheim? Für ein Punkrockkneipe gibt es für mich keinen besseren Ort. Das war alternativlos für mich. Ich wohne wahnsinnig gern hier und ich wusste, wenn ich so eine Kneipe aufmache, dann gibt es dafür keinen besseren Ort als das runtergerockten, raue, aber trotzdem sympathische Mülheim. 

Die Pandemie hat natürlich alles verändert. Wie mit unserer Branche umgegangen wurde, ist ein Drama, ehrlich gesagt. Wir halten uns irgendwie über Wasser, machen an ein paar Abenden die Woche auf und sonntags ist Café-Betrieb. Aber Risiken können wir uns nicht leisten. Ich bin nicht gegen die Maßnahmen, wir kontrollieren auch streng, aber ich denke, es ist eine Milchmädchenrechnung, dass sich um die Veranstaltungsbranche und um die Gastro so schlecht gekümmert wurde in der Pandemie. Dadurch, dass man so viel der sogenannten Hilfen zurückzahlen muss, machen ja schon einige Läden zu. Und was für eine Strahlkraft hätte Köln, wenn ein Laden nach dem anderen zu machen müsste? Gar keine mehr. 

Wir leben hier von Konzerten. Hier haben viele große Bands gespielt, bevor sie groß geworden sind, hier hat schon Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne gestanden. Wir und das Sonic Ballroom geben kleinen Bands eine Bühne und das ist eine Lücke, die hier in Köln keiner mehr füllen wird, wenn wir es nicht tun. Aber je länger die Sache geht, desto zäher werden wir. Uns kriegt ihr nicht klein. Und das ist an dieser Stelle vor allem unseren Gästen zu verdanken. Die Gäste, die all die Maßnahmen hinnehmen und trotzdem kommen. Die haben uns gerettet. Niemand sonst. 


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