Als ich aus Wuppertal nach Mülheim gezogen bin, habe ich lange gebraucht, um mich hier zuhause zu fühlen. Wir haben hier eine günstige Wohnung gefunden, aber gearbeitet und wirklich gelebt habe ich auf der anderen Rheinseite. Erst als ich 2009 Mutter eines Sohnes wurde, habe ich mehr Zeit in Mülheim verbracht und gemerkt, wie viel Potential dieser Stadtteil hat. Einige Jahre später sollte dann der Kulturbunker, den es schon seit 30 Jahren gibt, geschlossen werden, und ich war auf Demonstrationen gegen diese Schließung. Ich fand schon damals, dass so eine Möglichkeit für diese Viertel extrem wichtig ist. Ich wurde dann gefragt, ob ich in den Vorstand möchte, weil dem damaligen Team aufgefallen ist, dass die Diversität, die diesen Stadtteil ausmacht, im Team des Kulturbunkers überhaupt nicht abgebildet ist. So kam ich zum Kulturbunker und habe in den letzten Jahren viele Projekte umsetzen können und mit daran gearbeitet, dass sich der Kulturbunker als Kulturzentrum einen Namen macht. So haben wir in diesem Jahr beispielsweise die Organisation der Mülheimer Nacht übernommen, die nach der Pandemie das erste Mal wieder stattfinden könnte. Neben Lesungen und Ausstellungen finden im Sommer in unserem Biergarten außerdem regelmäßig Konzerte statt, die schon zu einer richtigen Institution geworden sind.

Wir selbst finanzieren unsere Projekte über Fördergelder, da wir nicht als Kulturzentrum vom Kulturamt, sondern als Bürgerzentrum vom Sozialamt unterstützt werden. Dieses Wissen um die Möglichkeit solcher Förderungen wollen wir in unserem nächsten Projekt weitergeben: Ein Netzwerk für Künster:innen, die sich damit vielleicht nicht so gut auskennen und denen so die Möglichkeit genommen wird, am kulturellen Leben zu partizipieren. Wir wollen einen Austausch schaffen, diesen Menschen unter die Arme greifen, sie miteinander vernetzen, sodass sie voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen können. 

Bei der Diskussion um die Gentrifizierung des Stadtteils sehe ich zwei Seiten: Mülheim ist durch seine großen Flächen, die es hier im Gegensatz zur linken Rheinseite noch gibt, natürlich ein Magnet für Investoren, und das ist nie gut für einen Stadtteil. Dort wird nicht im Sinne des Stadtteils, sondern gewinnmaximierend gebaut – die Menschen, die in diese Wohnungen ziehen, haben mit dem Stadtteil überhaupt nichts zu tun. Sie wohnen zwar hier, aber sie leben an Mülheim vorbei. Davon bekommen wir als Kulturbunker aber eigentlich gar nichts mit, denn diese Menschen sind nicht unser Publikum. Unser Publikum sind Künstler:innen, Studierende, Arbeiter:innen, eben alle, die durch die Entwicklung des Stadtteils hierherkommen – das ist die andere Seite der Gentrifizierung, und die bedeutet Begegnung und Austausch.

Diesen Austausch wollen wir mit dem Kulturbunker noch weiter voranzutreiben. Ich möchte, dass hier nicht nur ein Programm stattfindet, dass man sich ansehen kann, sondern eines, an dem man partizipieren kann. Dem können wir leider aktuell noch nicht gerecht werden, weil wir personell immer noch auf dem Stand von vor vielen Jahren sind. Das Gebäude würde noch viel mehr Möglichkeiten bieten. Aber dafür brauchen wir Unterstützung aus der Politik. In Mülheim leben 150 000 Menschen, wir sind der größte Stadtteil Kölns – und wie toll wäre es, wenn wir für diese vielen Menschen einen Ort schaffen könnten, an dem jeden Tag etwas stattfindet, an dem die Türen offenstehen und den sie mitgestalten können? Das ist meine Vision für die Zukunft.


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